Der Roman schildert die schleichende Besessenheit des jungen Antiquitätenfreundes Charles Dexter Ward, der in Providence den Spuren seines vorrevolutionären Ahnherrn Joseph Curwen folgt. Aus Prozessakten, Briefen, gelehrten Traktaten und dem Bericht des Arztes Dr. Willett fügt Lovecraft eine pseudo-dokumentarische Fallstudie zusammen, in der Alchemie, Nekromantie und genealogische Forschung unheilvoll konvergieren. Archaistische Diktion, antiquarische Detaillust und eine vielschichtige Zeitarchitektur verbinden den gotischen Roman mit der Weird Fiction der Zwischenkriegszeit und entfalten eine Kosmologie kalter Indifferenz, in der Identität, Körper und Geschichte als austauschbare Archive erscheinen. Lovecraft (1890–1937), autodidaktischer Gelehrter und leidenschaftlicher Kenner Neuenglands, schrieb den Text 1927; er blieb zu Lebzeiten unveröffentlicht. Seine materialistische Weltsicht, sein epistolärer Austausch mit der Weird-Tales-Gemeinschaft und seine Obsession für Stadtbild, Genealogie und koloniale Vergangenheit prägen jede Seite. Biografische Krisen und ökonomische Not verschärften den Blick auf die brüchige Moderne, deren Wissenschaft mithilfe okkulter Rhetoriken das Erbe der Aufklärung pervertiert. Empfehlenswert für Leserinnen und Leser, die intellektuell anspruchsvolle Schauergeschichten mit archivalischer Textur suchen. Der Fall des Charles Dexter Ward bietet eine seltene Synthese aus historischer Imagination, epistemologischer Skepsis und existentiellem Schrecken – ein Schlüsseltext des neuenglischen Gothik-Kanons, der auch heute noch lehrt, wie dünn die Membran zwischen Forschung und Verhängnis ist. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.
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