In diesem frühen Kriminalroman zeichnet Glauser eine düstere Studie bürgerlicher Rituale: Drei alte Damen veranstalten eine harmlose Teerunde, während in ihrem Umfeld rätselhafte Todesfälle auftreten. Die Ermittlung führt durch Labore, Amtsstuben und möblierte Zimmer einer mitteleuropäischen Großstadt der Zwischenkriegszeit, wo Gift, Gerücht und Aberglaube ineinandergreifen. Stilistisch verbindet der Text die Ökonomie des Rätselromans mit moderner Skepsis: knappe Dialoge, präzise Milieus, trockener, sardonischer Ton. Er markiert den Übergang zur psychologischen Kriminalliteratur, durchsetzt mit Reflexionen über Wissenschaft und soziale Maskenspiele. Friedrich Glauser (1896–1938), Schweizer Pionier des deutschsprachigen Kriminalromans, schrieb aus der Erfahrung des Außenseiters: Jahre der Sucht, Aufenthalte in Kliniken und in der Fremdenlegion schärften seinen Blick für Randexistenzen und Institutionen. Seine genaue Kenntnis von Behördenabläufen, medizinischem Diskurs und sozialen Milieus erklärt die Dichte der Ermittlungswelt. Der Roman entstand in den 1920er Jahren, als Giftstoffe, Hypnose und neue Wissenschaften die Phantasie befeuerten—Themen, die Glauser nüchtern prüft und literarisch bricht. Wer die Genealogie des Kriminalromans verstehen will, findet hier ein kompaktes Lehrstück: atmosphärisch dicht, intellektuell reizvoll und spannungsgetragen. Der Band empfiehlt sich Leserinnen und Lesern klassischer Detektivkunst ebenso wie Freundinnen psychologischer Krimis; er belohnt mit präziser Sprache, feinem Humor und einem unbestechlichen Blick auf die Masken des Bürgertums. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.
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