Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. Dr. Daniel Norden machte gerade eine Eintragung in ein Krankenblatt, als Loni eintrat. »Noch was?«, fragte er, »ich dachte, wir werden heute mal früher fertig.« »Herr Jörgensen ist grad gekommen«, sagte Loni. »Schon heute? Da bin ich aber doch erstaunt. Nun, dann habe ich es schnell hinter mich gebracht.« Ulf Jörgensen, dreißig Jahre, schlank und doch kraftvoll wirkend, trat ein. Der Name passte nicht zu seiner Erscheinung, oder umgekehrt, denn er verkörperte den romanischen Typus. Ein Mann, dem Frauenherzen zuflogen. Dr. Norden wusste es, aber er wusste auch, dass Ulf in dieser Beziehung recht unnahbar war. »Meine Sekretärin sagte mir, dass Sie mich sprechen wollen, Dr. Norden. Da bin ich, früher zurück aus dem stürmischen England, als gedacht. Macht mein Vater wieder mal Sperenzchen?« »Ich muss Ihnen mitteilen, dass Ihr Vater heute Morgen verstorben ist«, erwiderte Dr.
Norden ruhig, denn er wusste, dass diese Nachricht Ulf nicht erschüttern würde. Aber fassungslos war Ulf doch. »Es hat ihm doch eigentlich nichts gefehlt«, meinte er stockend. »Wie kam das so schnell?« »Ein Gehirnschlag. Er hat sich gestern mal wieder über ein paar Kleinigkeiten schrecklich aufgeregt, und da scheint der Blutdruck wieder gestiegen zu sein.« »Oder er hat wieder getrunken«, sagte Ulf bitter. »Er konnte es wohl auch im Heim nicht lassen.« »Man kann dem Pflegepersonal keinen Vorwurf machen. Er konnte sich frei bewegen.« »Ich mache niemandem einen Vorwurf. Sie wissen doch Bescheid. Ich habe vergeblich nach einer Erklärung gesucht, warum er mir so fremd geworden ist.« »War das nicht immer so?«, fragte Dr. Norden nachdenklich. »Genau genommen schon, aber früher habe ich mir keine Gedanken
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